Beschreibung
kann nur Annäherung sein
Ausschnitte
aus zwei Gesprächen zwischen Angelica Horn und Dieter Froelich
am 13. und 25. August 1987 in der Städelschule in Frankfurt am
Main. Thema waren aktuelle Plastiken von Froelich.
Froelich:
Bei vielen Betrachtern kommt es zu ähnlichen Assoziationen, z.B.
die des Kriegsmaterials—obwohl verwandte Formen auch im Bereich
des Pflanzlichen vorhanden sind, scheint doch irgendetwas in Richtung
industrielle Form zu zeigen.
Wenn
einige Leute dann meinen, etwas auf den Begriff gebracht zu haben,
besteht die Gefahr, daß sie sich nicht mehr vom Begriff lösen
können — dann ist die Art der Betrachtung festgeschrieben.
Horn: Ich versuche bei der Kunstbetrachtung ersteinmal kategoriale Einordnungen
beiseite zu lassen und einfach hinzusehen. Dabei achte ich auf die
entstehenden Empfindungen und Assoziationen. Es ist natürlich
gefährlich, bei den ersten Assoziationen stehenzubleiben und
sie begrifflich zu verfestigen. Wenn sie aufgrund der Anschauung anfangen
zu schwimmen, Fragen und komplexere Vorstellungen auftauchen, dann
fängt für mich Verstehen erst an.
Wenn
die Assoziationen „Mine“, „Im Wald gefundene Granate“
oder ähnliche Vorstellungen auftauchen, ist vielleicht eher ein
Überrest einer geschichtlichen Situation gemeint, der schon fast
wieder natürlich aussieht, und nicht primär ein Industriegut.
Froelich: Obwohl es von der Herstellungsweise mancher Arbeiten Ähnlichkeiten
zur industriellen Fertigung gibt. Eine Zeit habe ich Keramik frei
aufgebaut — jetzt modelliere ich oft eine Art „Prototyp“
und gieße davon eine Gipsnegativform ab, um diese dann mit Ton
auszudrücken oder auch mit Wachs oder Ton im Hohlguß zu
gießen. Da besteht also schon ein ambivalentes Verhältnis
zur industriellen Fertigung, aber keine der Arbeiten hat z.B. die
Präzision, die derartige Herstellung ja immer beinhaltet oder
beansprucht.
Horn: Welche Bedeutung hat denn für Dich das Material, mit dem
Du derart umgehst?
Froelich: Am Anfang meines plastischen Arbeitens war ich bewegt von der
Frage, ob denn ein bestimmtes Material mit all‘ seinen Eigenschaften
auch eine bestimmte Form fordere. „Was will das Material“
eine Frage, die aus einem Wunsch nach Einheit entstand. Und obwohl
ich dem Material den nötigen Respekt entgegenbringe, glaube ich
nicht, daß es an sich einen Willen hat. Es bevorzugt keine bestimmte
Form — jedenfalls nicht in den Dimensionen, in denen ich mit
ihm umgehe.
Horn: Zwischen Form und Material besteht ein Spannungsverhältnis
— eine bestimmte, verallgemeinerte Regel wird sich nicht angeben
lassen.
Froelich: Wenn also Bedingungen des Handelns nicht unbedingt vom Material
bestimmt werden, stellt sich für mich die Frage nach der Existenz
anderer Verbindlichkeiten. Wir können ja heute scheinbar machen
was wir wollen — alles scheint möglich. Wichtig ist doch
aber die Frage nach Sinn und Notwendigkeit. Und in diesem Zusammenhang
interessiert mich in der ästhetischen Theorie die Frage, inwieweit
Kunst mit anthropologischen Fundamenten verbunden ist.
Horn: . . . oder historisch und kulturell bedingt ist. Aber kann Kunst
überhaupt verbindlich sein wie ein Gesetz zum Beispiel? Gibt
es Verbindlichkeiten im Sinne einer Regel für das künstlerische
Handeln und für das Betrachten und Beurteilen? Bei Kant heißt
es, daß wir unser Urteil, daß etwas schön sei, dem
anderen nur „ansinnen“ können.
Froelich: Wie die Verbindlichkeiten zu bestimmen sei, ist für mich
der zweite Aspekt der Frage. In der heutigen, offenen Situation muß
ich mich als Schaffender doch fragen und auch fragen lassen, was ich
mache — und als Betrachter stelle ich diese Frage auch in Bezug
auf die eigenen und auch in Hinblick auf andere Arbeiten. Und dann
sage ich frei nach Kandinsky: wenn meine Seele wieder hungrig weg
geht nach dem Betrachten, dann war das nichts für mich.
Wenn
ich dann nach Bedingungen der Verbindlichkeiten frage, gehe ich davon
aus, daß (künstlerische) Arbeit für den Produzenten
zuallererst die Funktion hat, sich seiner selbst zu vergegenwärtigen
— die eigene Existenz zu spüren. Und dann sehe ich da noch
diese Sehnsucht — ich sage: sich zu vereinigen. Du kannst das
ja auch „kosmische Vereinigung“ nennen...
Horn: ... über die eigene Beschränktheit hinauszugehen,
an einer Allgemeinheit teilzunehmen und sie zu bilden. Und das geschieht
z.B. in den Augenblicken des Verstehens von einem Kunstwerk, zwischen
Menschen. Das sind Augenblicke der Berührung von ganz Verschiedenem,
welche mehr ergeben können als nur die Summe von beidem.
Froelich: Ich denke, das ist etwas wie ein „tröstlicher Charakter“.
In vielen Mythologien taucht eine Art Sündenfall auf —
aus diesem Herausfallen resultiert die Sehnsucht, die wir alle in
irgendeiner Form spüren. Die Befriedigung dieser Sehnsucht kann
verschiedene Formen annehmen. Sexualität, Gebrauch von Drogen
und auch das Kunstschaffen haben letztlich ähnliche Ursachen.
Horn: Aber mit dem Problem wird unterschiedlich umgegangen. Das Betrinken
scheint mir oft nur ein Ausweichen zu sein. Es gibt keine endgültige
Lösung, sondern nur ein ständiges Arbeiten daran mit Augenblicken
des Gelingens, des Glücks — daraus besteht vielleicht das,
was unser Leben ausmacht.
Froelich: Natürlich kann der Mensch nicht permanent in Ekstase sein...
Horn: ... und das Weiterarbeiten an dem Problem ist nötig,
damit das Gelungene nicht zum Schema erstarrt, welches nur noch wiederholt
wird. Und zudem zeigt der eigene Eindruck des Gelingens nicht notwendig
eine „Vollkommenheit“ der Sache an. Sie hat ja auch eine
eigene Dynamik, hinter der wir, denke ich, auch hinterherlaufen. (...)
Froelich: Wenn ich die Plastiken so aufgebaut sehe, habe ich oft ein Gefühl,
als ob ich meine Spielzeugkiste ausgeschüttet habe — das
hat etwas Tröstliches.
Horn: Dieser „Spielzeugcharakter“ liegt für mich in den
Formen z.B. des „Bootes“, des „Kreiselartigen“.
Durch die Öffnungen entsteht in meinen Augen der Eindruck eines
Geheimnisvollen, welches die Neugierde und ein Untersuchenwollen hervorruft.
Froelich: Da befindet sich der Betrachter in einem Spannungsverhältnis.
Einerseits die quasi Aufforderung zum Anfassen der Arbeiten, gepaart
mit dem Verbot des Berührens in den Ausstellungen.
Generell
habe ich eigentlich nichts gegen das Berühren meiner Plastiken,
wenn es wirklich als sinnliche Erkenntnis gemeint ist und mit der
nötigen Vorsicht geschieht. Oft steht dieses vorschnelle, respektlose
Anfassen aber anstelle des Bemühens um Verständnis und Auseinandersetzung
— sicher aber auch als ein Zeichen von Unsicherheit.
Horn: Durch solchen Zugriff würde das Geheimnis verloren gehen —das
Fremde, das Eigenartige. (...)
Froelich: Manche Arbeiten scheinen mir, als wären sie kurz davor, sich
in Bewegung zu setzen. So entsteht ein Zustand von Spannung mit der
Frage im Hintergrund „wie würden sie wenn?“.
Horn: Eigentümlich ist, daß sie trotz dieses spielerischen und
fröhlichen Charakters gleichzeitig auch so ernst sind. Der Impuls
wird festgehalten in ihrem plastischen, objekthaften Charakter und
in ihrer spezifischen Materialität.
Froelich:
... das Material hat ja seine Eigenschaften, auf die ich reagieren
muß. Die Risse z.B., die mit der Zeit in den Holzplastiken entstehen
— ich könnte das Holz vor der Bearbeitung ja auch aufsägen
und es dann wieder zusammenleimen, dann würde sich da nicht mehr
viel verändern. Aber bei diesen Arbeiten, die ja konzentrisch
angelegt sind, reißt das Holz der Form entsprechend. Bei solchen
materialbedingten Veränderungen ist entscheidend, wie sie sich
zu der von mir intendierten Form verhalten. Beim Arbeiten mit Wachs
wenden sich solche Veränderungen meistens gegen die Form, deshalb
schließe ich sie soweit wie möglich aus — bei den
Holzarbeiten sind sie integriert und stören weder mich noch die
Form.
Horn: Also gibt es eine bestimmte Beziehung zwischen Form und Material?
Die Formen wären ja nicht austauschbar in Bezug auf das Material.
Froelich: Austauschbar sind Form und Material zumindest theoretisch. Von Bedeutung
ist doch dabei aber die damit verbundene Veränderung des Ausdrucks,
des Wesens — da mußt du dann sehen, ob es möglich
ist. Ich gehe dem Problem dergestalt nach, daß ich, da ich ja
oft mit Gipsnegativformen arbeite, gleiche Formen in verschiedenen
Materialien realisiere. Bei einigen scheint es möglich und andere
zerstöre ich dann auch wieder. (...)
Dann
ist da auch noch der Aspekt, daß manche Materialien schon stark
in einem festgelegten Bedeutungszusammenhang stehen. Bei Keramik in
Verbindung mit gefäßhaften Formen kommt oft der Einwand
„Kunsthandwerk“ oder „Design“.
Horn: Es scheint mir hier wie beim Charakter des „Spielzeugartigen“
zu sein. Wenn dieser Eindruck zu stark wird, dann wird das Spielerisch-Kindliche
nicht mehr ernst genommen.
Froelich:
... das hieße, das Spielen nicht ernst zu nehmen ...
Horn: Wäre es nicht fragwürdig, wenn man das Gefühl hätte,
dieses Objekt als Blumenvase gebrauchen zu müssen?
Froelich: „Designhaft“ steht doch meistens synonym für etwas
Negatives und das kommt doch, weil die Gestaltung von Gegenständen
des täglichen Lebens und auch von Luxusgegenständen verkommen
ist - ein moralisch-inhaltlicher Aspekt ist verlorengegangen, die
wenigsten Sachen sind sinngefüllt.
Horn: Im Design fehlt oft das Geistige und das Widerständige. Es ist
doch wohl so, daß die Arbeit um eine Formulierung, um eine Realisation,
um eine Gestalt immer auch der Widerständigkeit des Problems
oder des Materials bedarf. Und in der Arbeit an dieser Widerständigkeit
entsteht doch erst die aussagekräftige Formulierung. Bei Deiner
Arbeitsweise existiert sie wohl nicht vorher im Kopf.
Froelich: Die Frage nach dem eigenen Verfahren ist ja auch im Kontext der kunstgeschichtlichen
und gesellschaftlichen Situation zu stellen. Heute kann ich sicherlich
nicht behaupten, daß Design und Kunstgleichzusetzen wären.
Horn: Vielleicht ist es heute wichtig, Arbeiten zu schaffen, die nicht notwendig
den Kontext des Museums bedürfen, um als Kunst verstanden zu
werden, sondern eher für sich selbst stehen und als solche aussagekräftig
sind.
Froelich: Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang wieder die Frage
nach dem utopischen Moment von Kunst — es kann ja nicht nur
um Schönheit gehen.
Horn: Jedenfalls nicht um Schönheit im Sinne von Gefälligkeit.
Froelich: Gut, wenn Du meinst, daß Schönheit immer auch im klassischen
Sinne Wahrheit impliziert, dann geht es um Schönheit. Ich meinte,
es geht nicht um den ästhetischen Reiz, denn der ist nur eine
Dimension — ich will aber auch noch nach anderen fragen.
Horn: Schönheit ist nichts, denke ich, was intentional erreichbar wäre,
eine solche Absicht würde zur Gefälligkeit führen.
Schönheit stellt sich ein, wenn im Bemühen um die Wahrheit
ein Gelingen erreicht wurde.Dann
ist die Schönheit gerade das utopische Moment, nach dem Du fragst.
Mir drängt sich hier wieder die Frage nach der Verbindlichkeit
auf, die meiner Ansicht nach weniger die Schönheit als das im
Ausdruck liegende Allgemeine betrifft. Dieses ist kein begriffliches,
sondern ein anschauliches oder gestalthaftes Allgemeines, das die
Kunst erst bewußt macht.
Froelich: Im letzten Gespräch gingen wir ja auf das anthropologische und
soziale Fundament ein — inwieweit ist Schönheit vom Kulturkreis
abhängig, also Obereinkunft?
Horn: Kunst ist natürlich auch immer Kunst ihrer Zeit, aber Schönheit
ist nichts konventionelles, kein Begriff, keine Ubereinkunft. Jedes
Kunstwerk ist dadurch ausgezeichnet, daß es individuell und
einzigartig ist. Kant und Goethe entwickelten den Gedanken, daß
im Kunstwerk ein Allgemeines, eine Idee in einer individuellen Anschauung
aufleuchtet, daß ein einzelner Gegenstand eine Idee darstellt
und somit ein ästhetisches Ideal ist. Das ist eine Möglichkeit
der Verbindung von Allgemeinem und Einzelnem. Dabei ist die Idee,
z.B. die Idee des Menschen in einer antiken Skulptur, keine, die sich
begrifflich ausdrücken ließe — sie erscheint individuell
und gestalthaft—allgemein zugleich. Und deshalb ist die begriffliche
Aneignung von Kunst so schwierig.
Wir
sprachen bei einigen Deiner Arbeiten von kreiselartigen Gebilden,
obwohl sie nicht die Form eines Kreisels haben und auch nicht als
Kreisel zu verwenden wären. Aber wenn wir überhaupt darüber
sprechen wollen, verwenden wir Wörter, von denen wir glauben,
daß sie etwas bedeuten, was dem Gesehenem ähnlich ist.
Froelich: In der Hoffnung, daß diese Begriffe für uns ähnliche
Bedeutung haben — was ja an sich recht trügerisch ist.
Gerade die Assoziationen, die hervorgerufen werden, sind ja bei jedem
Menschen individuell begründet, so daß es mir manchmal
erscheinen will, als sei die ganze sprachliche „Verständigung“
(über Kunst) zum großen Teil Selbstzweck. Oft denke ich,
das Reden lieber sein zu lassen — aber es ist klar, es geht
ja nicht. Ich glaube aber, es ist für das Verständnis von
Kunst von grundlegender Wichtigkeit zu verstehen, daß der Inhalt
z.B. einer Plastik nicht sprachlich formulierbar ist. Es gibt, zumindest
bei meiner Arbeitsweise, keinen Inhalt von vornherein, sondern er
formuliert sich erst im Schöpfungsprozeß — ähnlich
der Darstellung von Kleist „Über die allmähliche Verfertigung
der Gedanken beim Reden“.
Horn: Ja, natürlich sind Assoziationen subjektiv und durch die eigene
Lebensgeschichte, gerade in ihrer Wertigkeit bedingt. Das ist eine
grundsätzliche Frage der Befangenheit und der Perspektivität
des Sehens und Denkens. Trotzdem kann sich der Rezipient aber fragen,
was bloß subjektiv und was in der Sache begründet ist.
Kunst ist ja nicht beliebig, sondern in sich begründet und notwendig.
Froelich: Die Notwendigkeit als keine übergeordnete, sondern eine innerhalb
des Schaffensprozesses?
Horn: Die aber sozusagen verbindlichen Charakter hat, wenn sie in der Betrachtung
nachvollzogen werden kann.
Froelich: ... aber die Notwendigkeit ist nicht explixit, ich kann
nicht sagen, dieser Teil der Plastik ist ‚dran, weil ...
— das ist für mich jenseits der sprachlichen Formulierung.
Horn: Jeder Versuch es zu beschreiben kann nur Annäherung sein.
Es ist ja eine gestalterische Notwendigkeit — und letztlich
ein individuelle. Beliebig ist die Gestaltung nicht, sonst hätte
sie keinen Sinn. Und dieser muß lesbar sein. (...)
Die
Arbeiten strahlen durch ihre relativ einfachen Grundformen eine Ruhe
aus und zugleich überraschen einzelne Verbindungen von Formen.
Einige Plastiken wirken auf mich wie Zeichen einer vergangenen Geschichte.
Froelich: Jockel Heenes sagte, er sähe die Arbeiten auch inhaltlich stark
aufeinander bezogen: da wäre ein Boot und eine andere Arbeit
könnte so etwas wie ein Anker sein, etc..
Horn: Ja, es läßt sich so eine Geschichte erzählen. Das
wäre eine Antwort auf die Frage, was die Sachen wohl „machen“
könnten. So wie die „historische Assoziation“ die
Frage impliziert: „was ist mit den Sachen geschehen ...?“.
Froelich:
... ähnlich der archäologischen Forschung.
Horn: ... oder „Was waren das für Menschen, die mit
diesen Gegenständen lebten?“. Die Arbeiten führen
immer wieder zum Leben, in allen diesen assoziativen Dimensionen und
nicht nur im Sinne des Spielerischen. Wobei das Erlebenwollen vielleicht
eine Definition des Spielerischen sein könnte; die Sehnsucht
zu erfahren, die Neugierde nach dem Leben. Die Betrachtung Deiner
Arbeiten kann zur Reflexion über die Erfahrung, über den
Zusammenhang von Gegenstand und Erfahrung führen.
Froelich: Reflexion hört sich für mich so sprachlich — linear
an ...
Horn: Ich meine nicht sprachlich ausformuliertes Denken, sondern anschaulich
- gegenständliches. Zudem machst Du ja die Erfahrung, die bei
mir eine Reflexion über Erfahrung auslöst, schon bei der
Herstellung der Arbeit. Für Dich liegt sie darin, während
der Betrachter sich ersteinmal bemühen muß, die Gedanken
und Erfahrungen herauszuholen und sie — auch sprachlich zu reflektieren
sucht.
Froelich: Die Art der Rezeption muß ja zwangsläufig beim Produzenten
eine andere sein als beim Betrachter.
Horn: Der Betrachter ist zum schöpferischen Nachvollzug angehalten.
Deine Arbeiten fordern dazu auf, über die Beziehung des Betrachters
zu ihnen nachzudenken — wir haben ja bezeichnenderweise auch
viel über diese Beziehung geredet. Dabei sind wir von einzelnen
Assoziationen zu einem flüssigen Spektrum gelangt. (...)
Auch
im Ganzen haben Deine Plastiken keinen endgültigen oder abgeschlossenen
Charakter. Sie wirken eher still, vorsichtig und zurückgenommen
wie ein Feld möglicher Formulierungen, in welches wieder andere
dazukommen könnten, um so neue Relationen der Spannung und der
Verwandtschaft zwischen ihnen entstehen zu lassen. Es zieht sich ein
Gemeinsames durch die Arbeiten, welches aber nicht auf ein formales
Stilprinzip gegründet ist.
Froelich: Das Prinzip ist eher eines der Intention. Manche Plastiken leiten
sich von kleinen, gefundenen Gegenständen ab — ich sammel’
Kleinteile, Garnrollen etc..
Manchmal
ist es aber auch umgekehrt, da finde ich ein kleines Teil, das vom
Wesen her einer bereits bestehenden Plastik von mir ähnelt. Für
mich sind es keine unbekannten Formen ...
Horn: ... ja, sie wirken vertraut, fast alltäglich ...
Froelich: ... Überschaubares, welches ich zu mir, meiner
Größe, meinem Volumen in’s Verhältnis setze,
um so langsam Welt zu begreifen und Realität zu schaffen.
Horn: Ich habe das Gefühl, die Dinge, die Formen zu kennen,
ohne sie identifizieren zu können — wie ferne Erinnerungen,
die ich nicht fassen kann.
Froelich: Diese Erinnerung ist Erinnerung an ein Prinzip. Wenn ich z.B. über
den Flohmarkt gehe und etwas finde ohne zu suchen, dann hat das mit
der Form zutun — hinter jeder Form steht eine Idee — es
gibt keine leeren Formen. Deshalb ist es ein Sich- Wiederfinden in
einer bestimmten Idee.
Angelica
Horn war Lehrbeauftragte für Philosophie an der Städelschule
in Frankturt am Main.